16. April 2015, 14.02

Ökologisches Reinigen – leicht gemacht

  • Bild - Ökologisch reinigen
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Als ich vor mehr als sechs Jahren bei "die umweltberatung" Wien zu arbeiten begann und merkte, was alles zu ökologischer Reinigung gehört, war ich etwas überrascht. Bei dem Begriff dachte ich zuerst nur an grüne Marken für Reinigungsmittel, die in vielen ökobewussten Haushalten zu finden sind.

Ich wusste durch die chemische Analytik von Waschmittel im Umweltbundesamt, dass problematische Stoffe nicht immer vollständig in Kläranlagen abgebaut werden. Dennoch durfte ich in den letzten Jahren viel Neues dazulernen, denn Reinigung ist ein hochspezialisierter Bereich. 

 

Ökologisches Reinigen ist nicht Putzen

 

Das erste was ich lernte war, dass Reinigen nicht Putzen ist. Der Begriff Putzen stammt laut Duden aus dem Spätmittelhochdeutsch „Butzen“, das sind Schmutzteilchen. Das „Butzen“ bedeutete die Schmutzteilchen zu entfernen. Reinigen stammt vom mittelhochdeutschen „reinegen“ - etwas rein, also wirklich sauber zu machen. Der begriffliche Unterschied möchte ich in einem Beispiel erklären. Wenn sie Ihren Küchentisch nur Putzen, werden Sie mit der Hand die Brotkrümmel auf den Boden wischen. Reinigen Sie den Küchentisch, dann wischen sie ihn mit einem Tuch feucht ab und die Brotkrümmel entsorgen sie fachgerecht im Biomüll. Das verdeutlicht den feinen Unterschied: beim Reinigen geht es darum, etwas gründlich sauber zu bekommen. Dazu braucht es geeignetes Material, Wissen und Erfahrung.

Beim Material und den Reinigungsmittel tut sich viel! In meiner Masterarbeit an der FH Technikum Wien im Jahr 2011 - einer Fallstudie zur Bewertung des öko- und humantoxischen Risikopotentials - hatte ich es mit 460 chemischen Inhaltsstoffen in Wasch- und Reinigungsmittel zu tun. Heute ist diese Liste wesentlich länger: Mehr als 1000 Stoffe sind bei der Bewertung von Wasch- und Reinigungsmitteln zu berücksichtigen.

Doch mit dem Wissen um Reinigungsmittel ist es noch nicht getan. Materialeigenschaften von Oberflächen, wie zum Beispiel die unterschiedlichen Fußböden, gehört zum Basiswissen der ökologischen Reinigung. Die Öko-Reinigungsfachkraft weiß außerdem Bescheid über die vielfältigen Hilfsmittel, wie supermoderne Hochleistungsmopps und leistungsstarke Mikrofasertücher, die es ermöglichen, bei gleicher Reinigungsleistung mit viel weniger Chemie auszukommen.

 

Greifen Sie zum richtigen Mittel!

 

Ein paar Fragen kommen in allen Beratungsgesprächen zur Sprache – zum Beispiel die Auswahl des ökologischen Reinigungsmittels. Hier helfen mittlerweile Labels wie das Österreichische oder Europäische Umweltzeichen oder die ÖkoRein-Datenbank (www.umweltberatung.at/oekorein). Damit sparen sich KonsumentInnen und Groß-EinkäuferInnen bei der Suche nach Wasch- und Reinigungsmitteln das Chemie-Studium und können sich auf unabhängige Bewertungen verlassen.
Eine wichtige Frage ist auch, welche Mittel wirklich gebraucht werden und welche überflüssig sind. Im Privathaushalt reichen wenige Produkte aus: ein milder Allzweckreiniger, Handgeschirrspülmittel, ein saurer Sanitärreiniger, etwas Zitronensäure und Essig. Eventuell kann das Sortiment durch einen zertifizierten Küchen-, Glas- und WC-Reiniger ergänzt werden. Spezialprodukte wie zum Beispiel antibakteriell wirkende Reiniger, diverse Beduftungs-Utensilien und WC-Beckengel sind überflüssig.

Unbedingt notwendig ist eine gute Auswahl an mechanischen Helferleins. Staubsauger und Besen, diverse Mikrofasertücher und Mopps auf Mikrofaser-Basis gehören zur Standardausrüstung. Oft reicht es, Mikrofasertücher mit Wasser und ohne Chemie anzuwenden. Für den eigenen Schutz sind die gelben Haushaltshandschuhe wichtig.

 

Die korrekte Anwendung

 

Viele Reinigungsmittel sind vor der Verwendung mit viel Wasser zu verdünnen. Wie, das verrät Ihnen der Blick auf das Etikett. Aus Praxistests in Beratungen weiß ich, dass üblicherweise viel zu hoch dosiert wird. „A bisserl mehr kann nicht schaden!“ Oh doch, das „bisserl mehr“ schadet der Umwelt und wirkt auch nicht besser! Viele Dosierangaben beziehen sich auf einen vollen Reinigungskübel, der 10 Liter fasst. Schauen Sie mal genau auf die Etiketten: Sie werden staunen, wie wenig sie eigentlich brauchen. Ökologisches Dosieren hilft nicht nur der Umwelt, sondern kann Ihnen einiges an Geld sparen.

 

Zollen Sie Respekt!

 

Wichtig ist mir auch der soziale Aspekt der nachhaltigen Reinigung. Gehen Sie mit den Reinigungsfachkräften respektvoll um, egal ob zu Hause, am Arbeitsplatz oder im öffentlichen Bereich. Ich möchte nicht wissen, wie es in unseren Büros und im öffentlichen Raum aussehen würde, wenn es keine Reinigungsfachkräfte gäbe. Deshalb gebührt ihnen der notwendige Respekt und eine gute Schulung für ökologische Reinigung. 


Über den Autor:


DI (FH) Harald Brugger, MSc

"die umweltberatung" Wien, Bereich „Chemie und Konsum“


Harald Brugger studierte Chemie-Ingenieurwesen und technisches Umweltmanagement mit Schwerpunkt Ökotoxikologie. Er war jahrelang in der Umweltanalytik, wie zum Beispiel für das Umweltbundesamt, tätig und ist heute bei "die umweltberatung" unter anderem Projektleiter des Projektes ÖkoRein. Er ist Mitautor der beliebten Broschüren „Chemie im Haushalt“, „Schickes Outfit! Neu? Ja, aber ökologisch!“ und „Selbst gemacht? Ja, aber ökologisch“, die "die umweltberatung" im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft erarbeitete.
Mehr Informationen auf www.umweltberatung.at

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