20. May 2016, 13.01

Bio-Kräuter-Vielfalt: Basilikum

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Kräuter verströmen einen unwiderstehlichen Duft, sie schmecken köstlich, wirken heilsam und belebend und sind ein Anziehungspunkt für Nützlinge. In ihrer Vielfalt sind sie Gewürz, Teekraut, Salat, Unkraut, Duftkraut, Insekten-Anlock-Pflanze, Bienenweide, Pflanzenstärkungsmittel und vieles mehr. Was beim Gemüse die Tomate, ist bei den Kräutern das Basilikum. Kaum ein anderes Kraut erfreut sich wohl so großer Beliebtheit in der Küche.

Auch bei Basilikum gibt es eine große Vielfalt an Sorten, die auch in unseren Gärten gut gedeihen, aber noch weitgehend unbekannt sind. Das in vielen Supermärkten angebotene Topfbasilikum eignet sich nur für die Einmalernte. Die Pflanzen stehen in den kleinen Töpfen viel zu dicht, als dass sie sich zu stattlichen Pflanzen entwickeln könnten.

Obwohl vor 20 Jahren in unseren Breiten noch gänzlich unbekannt und obwohl so wärmebedürftig wie kaum ein anderes Küchenkraut, zählt Basilikum zur Basis-Ausstattung von Balkonen und Terrassen. So manche versuchen sogar indoor ihr Glück. Die einjährigen Basilikums sind die Basilikums der italienischen Küche. Die meisten mehrjährigen bieten ganz andere Geschmacksaromen und eignen sich als Gewürz oder als wunderbar vollmundiger Kräutertee. Das Überwintern der mehrjährigen Arten gelingt nur auf hellen, aber kühlen Plätzen im Haus. Sonst kümmert die Pflanze vor sich hin. Doch zwei Haltungsformen von Basilikum im Winter gelingen immer: eingemacht als Pesto oder getrocknet als Tee.


Die richtigen Standorte

Basilikum zu den Starkzehrern unter den Kräutern – besonders die mehrjährigen Formen brauchen einen offenen – oder gut gemulchten Boden – neben sich und eine gute Nährstoff-Versorgung und bilden dann riesige Blattmassen.

Während die Gewürz-Basilikums vollsonnige, gut mit Nährstoffen versorgte Beete und eine regelmäßige Wassergaben benötigt, verträgt das indische Tulsi-Basilikum auch Trockenheit. Das wärmeliebende Kraut gedeiht erst dann so richtig ertragreich im Freien, wenn auch die Nachttemperaturen nicht mehr unter 16 °C fallen. Daher gedeiht Basilikum in den meisten Regionen im Glashaus, im Hochbeet oder im Topf an einer Hausmauer am besten. In den Töpfen ist es auch besser vor Schnecken geschützt, die sich leider nur allzu gerne an den weichblättrigen aromatischen Pflanzen laben. Basilikum liebt eine hohe Luftfeuchtigkeit und regelmäßige Wassergaben.


Basilikum vorziehen

Im Freiland kann Basilikum erst gesät haben, wenn die Temperatur des Bodens mindestens 15 °C  beträgt. Daher wird Basilikum meistens vorgezogen. Basilikum ist ein Lichkeimer – die Aussaaten daher nur andrücken.

 

Sortenvielfalt bei Basilikum

Innerhalb der Gattung Basilikum gibt es ein- und mehrjährige Arten und Sorten. Auch die mehrjährigen Arten sind bei uns nicht winterhart. Die Sorten unterscheiden sich in der Wuchsform, in Blattgröße, Blattfarbe und Geschmack – von „Basilikum-typisch“ über leicht süßlich nach Anis und Lakritze über zimtig bis hin zu leicht pfeffrig.


Einjährige Basilikums

Das klassische italienische Basilikum ist die Sorte ‚Genovese‘, das Pesto-Basilikum mit dem „typischen“ Basilikum-Geschmack. Es gehört, wie das ähnlich schmeckende ‚Salatblättrige Basilikum‘, das kleine ‚Bubikopf-Basilikum‘ oder das rote, etwas wärmebedürftigere ‚Basilikum rosso‘  zur einjährigen Art Ocimum basilicum. Selten können Sorten dieser Art auch zweijährig werden. Ebenso einjährig ist das Zitronen-Basilikum (Ocimum americanum). Die einjährige Pflanze hat einen feinen Zitronengeschmack. Zitronen-Basilikum lässt sich sehr gut trocknen, ergibt einen sehr guten Tee und feine Pestos. Ein Allrounder.


Mehrjährige Basilikums mit Genovese-Geschmack

Die mehrjährigen Basilikums gehören unterschiedlichen Arten an, die meisten verholzen. Zu den wenigen Ausnahmen gehören die – mittlerweile recht verbreiteten – Auslesen der Gärtnerei Wagner: das ‚Griechischen Strauch-Basilikum‘ (Ocimum basilicum ssp. basilicum), hat ebenso wie die einjährigen den typischen Genoveser-Geschmack und kann ganzjährig beerntet werden. Die mehrjährigen Basilikum-Arten werden im Herbst ab Temperaturen von 10 °C ausgegraben, getopft und auf ein sonniges Fensterbrett gestellt. Ideale Überwinterungstemperaturen sind Temperaturen zwischen 15 und 22 °C. Damit die Pflanzen gesund bleiben, ist es wichtig, dass sie in den Wintermonaten generell nicht zu nass gehalten werden und sporadisch austrocknen können.


Mehrjährige Basilikums mit exotischem Geschmack

Das Afrikanische Strauch-Basilikum (O. kilimanscharicum x basilicum) hat nette rot geaderte Blätter und violette Stängel, die ein herbsüßes Kampferaroma haben. Es blüht das ganze Jahr über reichlich mit rosaroten Lippenblüten und wird häufig als Zierpflanze angebaut.

Eine Besonderheit ist das ‚Grüne Pfefferbasilikum‘ (O. selloi): Es wächst strauchig, hat ein paprikaähnliches Blatt, duftet kaum. Sein Geschmack nach Blattpfeffer entfaltet sich speziell beim Garen. Das ideale Gewürz für asiatische Gerichte. Bei Kälte verliert es sein Laub, treibt aber wieder nach. Frostfrei überwintern und 2–3 mal pro Winter zurückschneiden.

Das Heilige Basilikum (Ocimum sanctum = Ocimum tenuiflorum) ist ein wunderbares Tee-Basilikum. Der buschige Halbstrauch – die Stängel verholzen im unteren Bereich – wird 30–80 cm hoch und blüht weiß, rosa oder lila. Im Weinbauklima kann es auch im Beet angebaut werden. Es hat eine lange Reifezeit, in warmen Lagen und in warmen Regionen erreicht es eine Höhe von bis zu 40 cm. Spätestens vor den ersten Frösten muss es geerntet werden. Die Pflanzen werden in Bodennähe geschnitten und getrocknet. Die Blätter schmecken je nach Sorte nach Anis oder Gewürznelken. Als Tee aufgegossen, entfaltet es sein wunderbar wärmendes Aroma.


Ernte

Will man regelmäßig und über einen längeren Zeitraum Blätter ernten, ist es bei allen Basilikum-Arten wichtig, dass man die blühenden Triebspitzen immer wieder entfernt. So wachsen die Pflanzen buschiger, sind ertragreicher und bleiben länger beerntbar. Vor allem von den mehrjährigen Arten können die ganze Saison viele Blätter für den Frischverzehr geerntet werden. Am intensivsten schmecken alle Basilikums in den heißen Sommermonaten. Im Spätsommer/Frühherbst kann man dann die ganzen Pflanzen ernten (die mehrjährigen Pflanzen ganz zurückschneiden) und zu Pesto verarbeiten.

 

Basilikum vermehren

Die sortenechte Vermehrung gelingt bei allen Arten leicht über Stecklinge der krautigen Triebe. Einfach im Juli oder August 7–10 cm lange Stücke der Triebe einwässern und an einem warmen Ort aufstellen, besonders leicht bewurzelt Basilikum im Hochsommer – wo die Stecklinge bereits nach 7–10 Tagen wurzeln und getopft werden können. Besonders die mehrjährigen Basilikums lassen sich so sehr gut vermehren. Diese jungen Pflanzen lassen sich auch leichter überwintern als älter Pflanzen.

 

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Andrea Heistinger ist Autorin und schreibt über Gartenthemen aller Art. Ihr neues Buch "Kräuter richtig anbauen", erschienen im Löwenzahn Verlag in Kooperation mit dem Verein Arche Noah, beschreibt den biologischen Anbau, Nutzung, Vermehrung und Sortenvielfalt von ausgewählten Kräutern, die in unseren Gärten oder in Töpfen angebaut und in der Küche als Gewürz oder als Tee genutzt werden können. Es regt an, die Welt der Kräuter zu entdecken und damit einen Beitrag zu mehr Sortenvielfalt zu leisten.

 

GEWINNSPIEL:  Wir verlosen insgesamt 3 Exemplare von Andrea Heistingers neuem Buch "Kräuter richtig anbauen". Teilnahmeschluss ist der 05.06.2016.

Kategorie: Bio, Garten, Regional, Tipps

Kommentare

  1. 1
  1. Marie Anna Faimann
    Jun 02, 2016 at 06:37
    Meine ganze Familie liebt das "königliche Kraut", es hat viel vom leichten aromatischen Flair der mediterranen Küche. Deshalb waren die Informationen über Anbau und Pflege sehr interessant und hilfreich. Ich habe viel dazugelernt, DANKE!
    antworten

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