23. September 2015, 10.10

Nachhaltig gekleidet von Kopf bis Fuß

  • Bild - (c) shutterstock, Mode
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Die Textilbranche ist in der Zwickmühle: Katastrophen wie der Einsturz der Rana Plaza Textilfabrik in Bangladesch 2013 mit mehr als 1.000 Toten lassen den Ruf nach fairen Arbeitsbedingungen laut werden. Gleichzeitig regiert immer noch die „Geiz ist geil“ Mentalität. Ein T-Shirt um € 4,99 und Jeans um € 12,99: Billige Preise verführen zum Kauf. Dass sich die Qualität der Textilien dabei erheblich verschlechtert, wird in Kauf genommen. Wer Kleidung mit gutem Gewissen, in guter Qualität und modischem Design kaufen möchte, findet zum Glück immer mehr AnbieterInnen von ökologischer und/oder fairer Mode. Seit 2006 ist "die umweltberatung" am Thema Ökotextilien dran und war, gemeinsam mit dem Netzwerk der Naturtextiler, Initiatorin der ecotrend – der 1. Ökotextilmesse Österreichs. Seither ist das Angebot an zertifizierter Kleidung ständig gewachsen. Das gibt Hoffnung.

Was will ich – wo krieg ich‘s?

Gerade für Kinder gibt es mittlerweile ein breites Angebot, oft auch von kleinen Unternehmen, die sich auf bio-faire Stoffe oder Upcycling von alter Kleidung zu Kinderkleidung spezialisiert haben. Viele dieser Start-ups bieten ihre Kollektionen über Online-shops an.

 

Erfreulicherweise ist auch das Angebot für Erwachsene – sowohl für Männer, als auch für Frauen – ständig am Wachsen. Egal ob elegante Businesskleidung, moderne Streetwear oder bequeme Yogakleidung: wer nach nachhaltiger Kleidung sucht, wird auch das Passende finden!

 

"die umweltberatung" führt eine stetig wachsende Liste an Bezugsquellen für ökologisch erzeugte Kleidung. Derzeit sind 175 Betriebe unter www.umweltberatung.at/oekotextilien zu finden.  Zusätzlich gibt es auch eine Adressliste, wo man ökologische Stoffe wie Biobaumwolle, Recyclingstoffe oder mit dem Gütezeichen GOTS zertifizierte Stoffe kaufen kann.


Biomode von der Stange

Nicht nur Klein- und Mittelunternehmer bieten Kleidung aus Biobaumwolle an. Auch immer mehr internationale Textilketten bieten eigene Kollektionen aus Biobaumwolle an. "die umweltberatung" begrüßt grundsätzlich die stetig wachsende Verwendung von Biobaumwolle. Allerdings machen wir die KonsumentInnen auch darauf aufmerksam, dass es bei Kleidung noch viel mehr Arbeitsschritte als den Anbau gibt, zum Beispiel die Färbung, das Ausrüsten und das Nähen. Wer seine Kleidung von Anfang bis zum Ende nachhaltig und fair haben möchte, der sollte zu Textilien mit dem Global Organic Textile Standard, dem GOTS Gütezeichen, greifen. Hier können Sie sicher sein, dass die Stoffe ohne bedenkliche Farb- und Hilfsstoffe behandelt werden, überwiegend Naturfasern aus biologischer Herkunft verarbeitet werden und die ArbeiterInnen faire Löhne erhalten.  

Den Überblick über die Gütesiegel für Textilien bietet "die umweltberatung" in der Broschüre „Schickes Outfit!“, die es auf www.umweltberatung.at zum kostenlosen Download gibt.

 

Alternativen zur Baumwolle

Immer mehr neue aber auch wieder entdeckte Fasern erobern unsere Kleiderkästen. Eine traditionelle Textilfaser ist zum Beispiel Hanf. Die Hanfpflanzen brauchen, vor allem im Vergleich zur durstigen Baumwolle, relativ wenig Wasser und sind auch sehr standhaft gegen Schädlinge. Egal ob geschmeidige Hanfjeans, -taschen oder T-shirts – Hanf ist ein echter Geheimtipp!

 

Eine andere Alternative sind Zellulosefasern, die aus zellulosehältigen Pflanzen, wie Buchen, Eukalyptus oder Bambus durch ein technisches und energieaufwendiges Viskoseverfahren zu einer weichen, flauschigen Faser verarbeitet werden. So ist z.B. ein Vorteil von Bambus, dass dieses Gras extrem schnell wächst und daher pro m² sehr ergiebig ist.  Allerdings ist es schwierig zu beurteilen, unter welchen Bedingungen der Bambus in den Plantagen in Asien kultiviert wird, ob hier auch Regenwald zum Opfer gefallen ist und unter welchen Umweltstandards die Fabriken die Viskosefasern herstellen. Kritisches Nachfragen bei den ProduzentInnen ist hier angebracht!

 

Eine empfehlenswerte Viskosefaser ist TENCEL®, die mit dem europäischen Umweltzeichen zertifiziert und unter anderem in Oberösterreich gefertigt wird. Das Produktionsverfahren zeichnet sich durch einer nahezu vollständigen Kreislaufführung der verwendeten Chemikalien und Einsparung von Wasser aus.


Länger Tragen, länger nutzen ist für mich die wichtigste Devise!

Brauchen wir wirklich ständig neue Klamotten? 70 neue Kleidungsstücke werden im Schnitt pro Person und Jahr neu gekauft und bald wieder entsorgt. Die nachhaltigste Kleidung ist jene, die lange genutzt werden kann. Darum ist es wichtig, die Basisausstattung des eigenen Kleiderkastens so zu wählen, dass einem die Schnitte und Farben in drei Jahren auch noch gefallen. Den einen oder anderen modischen Trend auszulassen erfreut auch das eigene Geldbörsel!

 

Tauschen ist in! Was sich beim Gewand für Kinder schon längst bewährt hat, wird nun auch von Fashionstas gelebt: bei einer privaten oder öffentlichen Swap-Party, bei dem coolen Flohmarkt ums Eck oder bei Tauschbörsen im Internet warten tolle Stücke auf Sie. Viel Spaß beim Tauschen!

Kategorie: Konsum, Mode, Nachhaltigkeit

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