19. October 2016, 08.08

Natürlich pflegen

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Sie wissen, dass Sie eigentlich nur ein hochwertiges pflanzliches Speiseöl bräuchten um sich abzuschminken und Ihre Haare und Ihren Körper zu pflegen? Und zwar reines Pflanzenöl, am besten in Bio-Qualität. Körperpflege also, die Sie auch essen können. In den Geschäften gibt es dafür unzählige Wässerchen, Lotionen und Cremen. Keine davon ist für den Verzehr gedacht. Das ist klar - schließlich sind das Kosmetikprodukte. Schon um ein Produkt haltbar zu machen, es einzufärben, zu stabilisieren und zu beduften braucht es viel mehr Stoffe als in einem Speiseöl enthalten sind. Aber genau diese Hilfs- und Zusatzstoffe, die gar nicht zur Wirkung der Kosmetik beitragen, können schlussendlich Probleme machen.


Kontaktallergie durch Haare färben

Um die Haarfarbe zu ändern greifen laut dem Industrieverband Körperpflege und Waschmittel e.V. fast Dreiviertel aller Frauen zu der chemischen „Keule“. Durchschnittlich fünf Mal pro Jahr wird gefärbt, knapp die Hälfte geht dafür zum Friseur. Dabei sind sich viele nicht bewusst, dass chemische Färbemittel oft eine Reihe von problematischen Stoffen enthalten. Synthetische Moschusduftstoffe, die sich unter anderem im Fettgewebe anreichern, können Leberschäden verursachen. Zu den bedenklichen Farbstoffen in Haarfarben gehören zum Beispiel p-Toluyendiamin, p-Phenylendiamin (PPD) und Resorcin, die bei Kontakt mit der Haut allergieauslösend sein können. Und das Risiko einer Sensibilisierung steigt, je öfter die Haut in Kontakt mit einem der Stoffe kommt.


Hormonähnliche Stoffe stören Körper und Umwelt

Das Magazin ÖKO-Test hat im Dezember 2015 Parfüms getestet. Das Ergebnis war mehr als verblüffend, schnitten doch einige wenige sehr gut und viele sehr schlecht ab. Zu den schlecht Bewerteten gehören Düfte mit klingenden Namen wie beispielsweise Giorgio Armani, Helene Fischer und Bruno Banani. Neben anderen bedenklichen Stoffen wurden die UV-Filter Ethylhexyl Methoxycinnamat und Benzophenon-3 sowie Diethylphthalat (DEP) gefunden, die alle drei zu den endokrinen Disruptoren gehören. Diethylphthalat wird häufig als Vergällungsmittel von Alkohol verwendet. Endokrine Disruptoren sind Umweltsubstanzen, die das Hormonsystem von Organismen beeinträchtigen. Sie stören den Hormonstoffwechsel oder imitieren die Wirkung von Hormonen. Bereits sehr geringe Konzentrationen von hormonähnlichen Stoffen verursachen bei Fischen eine Verweiblichung der Männchen, damit weniger Nachkommen und Fortpflanzungsstörungen.

 

Global 2000 testete letztes Jahr etwa 400 Kosmetikprodukte auf dem österreichischen Markt auf endokrine Disruptoren. Nicht nur Kosmetik enthält hormonell wirksame Stoffe, aber sie gelangen mit ihrer Hilfe direkt auf unsere Haut. Die Untersuchung hat ergeben, dass jedes zweite Aftershave, fast jede zweite Bodylotion und jede fünfte Zahnpasta belastet ist. Fast ein Viertel aller untersuchten Produkte beinhalteten sogar mehr als einen hormonell wirksamen Inhaltsstoff. Um den Körper zu pflegen, verwöhnen und verschönern verwenden viele Menschen mehrere Kosmetikprodukte gleichzeitig und einige sogar öfters am Tag. Daraus ergibt sich ein „Hormoncocktail“, dem unser Körper ständig ausgesetzt ist und dessen schädliches Ausmaß für die Zukunft noch nicht abschätzbar ist.


Winzige Kügelchen machen Müll

Die meisten Kosmetikprodukte findet man früher oder später im Abwasser. Manche davon landen sehr schnell im Kanalsystem, weil sie mit Wasser abgewaschen werden: Haarshampoo, Duschgel, Zahnpasta, Waschlotion, Gesichtsreiniger, Peelingprodukte et cetera. Die „Gebrauchsdauer“ ist also entsprechend kurz. Da die Mikroplastikkügelchen beispielsweise aus Peelingprodukten nicht biologisch abbaubar sind, verbleiben sie lange in der Umwelt. Die Filter von Kläranlagen sind nämlich nicht so gebaut, dass die winzigen Kügelchen herausgefiltert und zurückgehalten werden. Über die Gewässer landet das Mikroplastik also kurz über lang im Meer. Mikroplastik sind Plastikteilchen, die weniger als einen Millimeter groß sind. Sie können von Fischen und Meerestieren mit der Nahrung aufgenommen werden. An der Oberfläche von Mikroplastik lagern sich oft schwer abbaubare organische Schadstoffe, sogenannte persistent organic pollutants – kurz POPs – an. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Schadstoffe nicht nur auf der Oberfläche bleiben, sondern durch Verzehr von Meeresfrüchten letztendlich in den menschlichen Körper gelangen. Der freiwillige Verzicht von Unternehmen auf Mikroplastik soll in Zukunft die Lösung sein, damit die Umweltbelastung durch Kunststoff reduziert wird.


„Gute“ Kosmetik ist leistbar

Teenager geben gerne Geld für Kosmetik aus. Zwischen zwölf und achtzehn Jahren sind es bei den weiblichen Teenagern durchschnittlich etwa 25 Euro im Monat. Viele gehen wie selbstverständlich davon aus, dass die Inhaltsstoffe umso besser sind je teurer das Produkt ist. Produktetests in Labors zeigen oft das Gegenteil: in zertifizierter Natur- und Biokosmetik wurden wesentlich weniger bedenkliche Inhaltsstoffe gefunden als in teurer herkömmlicher Kosmetik. Bevor die Hautpflege auf natürliche Pflegeprodukte umgestellt wird, kommt immer wieder ein Gegenargument: Natur- und Biokosmetik ist teuer. Im Vergleich zu Kosmetik der Luxus- und Mittelpreisklasse stimmt das jedoch nicht.

 

Im Gegensatz zu den Anfangszeiten der Naturkosmetik bieten heute, neben Biofachhandel und Reformhaus, verschiedene Drogeriemärkte ein breites Sortiment an Naturkosmetik an.


Zertifizierte Kosmetik erkennen

Es gibt einige glaubwürdige Zertifizierungen für Kosmetik. Darunter fällt z. B. eine Zertifizierung für Biokosmetik nach dem Österreichischen Lebensmittelbuch. Die Kriterien im Österreichischen Lebensmittelbuch werden unter anderem von der Austria Bio Garantie GmbH kontrolliert. Ecocert, NATRUE und BDIH sind ebenfalls verlässliche Gütezeichen.

  • Diese Gütezeichen schränken Inhaltsstoffe auf Erdölbasis stark ein.
  • Sie bevorzugen natürliche nachwachsende Rohstoffe.
  • Bei den Konservierungsstoffen, Farbstoffen und Duftstoffen geben die Labels strenge Vorgaben und beschränken die Verwendung von vielen bedenklichen Inhaltsstoffen. Beispielsweise sind synthetische Duftstoffe nicht erlaubt.
  • Die Verwendung von endokrinen Disruptoren e ist teilweise verboten (z. B. Parabene).
  • Gentechnisch veränderte Mikroorganismen und deren Erzeugnisse sind nicht zulässig.
  • Bis auf wenige Ausnahmen sind Nanopartikel und Mikroplastik verboten.

 

Die Natur- und Biokosmetik schlägt die herkömmlichen Kosmetikprodukte  um Längen, weil sie auf zahlreiche bedenkliche Inhaltsstoffe verzichtet. Wer seinem Körper wirklich Gutes tun will, verwöhnt sich mit zertifizierter Natur- und Biokosmetik.

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