08. Oktober 2017, 23.11

Nutzen statt besitzen - eine Lösung gegen den "Teufelskreis der Wegwerfgesellschaft"

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    Janaya Dasiuk

In den letzten drei Jahrzehnten hat sich der Ressourcenverbrauch verdoppelt, die Elektroschrott-mengen haben sich vervierfacht. Allein die jährlich in der EU gekauften Haushaltsgroßgeräte (Weiße Ware) ergäben aneinandergereiht eine Strecke, die einmal um den Erdball reicht. Die Preise für Neuprodukte sprechen weder die ökologische noch die soziale Wahrheit - ein eindeutiges Marktversagen negativer externer Effekte. Wollen wir das wirklich weiter unterstützen, dass internationale Konsortien Rohstoffe in den Ländern des globalen Südens ausbeuten, die dann unter Ausbeutung von Arbeitskräften in den Schwellenländern zu immer kurzlebigeren Produkten verarbeitet werden, die wir dann im Norden billig kaufen, entsprechend wenig wertschätzen und schnell wegschmeißen? Oft landen unsere Abfälle dann dort, wo die Rohstoffe herkommen (E-Schrott in Ghana) und schaffen weitere Probleme.

 

Eine der Folgen davon ist, dass kritische Rohstoffe immer knapper, aber nicht teurer werden. Gerade Europa, das zum größten Teil von Rohstoffimporten abhängig ist, kann es sich nicht leisten, seine Sekundärrohstoffe nicht zu nutzen. Dafür brauchen wir die Kreislaufwirtschaft: Sie bietet die richtigen Anreize Produkte so zu designen, dass sie länger genutzt, leicht repariert und, wenn das einmal nicht mehr geht, die unterschiedlichen Materialien wieder leicht voneinander getrennt und wiederverwertet werden können. Natürlich ist die Kreislaufwirtschaft nicht der Weisheit letzter Schluss, aber die Postwachstums-Ökonomie ist politisch noch nicht anschlussfähig. Noch ziehen die meisten Statussymbole einem guten Leben vor und wollen nicht aus dem Hamsterrad der materiellen Bedürfnisbefriedigung aussteigen.

 

Den Teufelskreis durchbrechen

Schon während meines Geographiestudiums wurde mir klar, dass wir zu viele Ressourcen verbrauchen. Ich habe dann während meiner Arbeit bei „die umweltberatung“ Wien das R.U.S.Z gegründet, um ausgemusterte Waschmaschinen und Geschirrspüler zu retten und finanziell schwachen Haushalten zur Verfügung zu stellen. Danach lief das Geschäft fast wie von selbst: Das Reparieren von Elektrogeräten war eine Marktlücke. Als Geschäftsführer habe ich mich zum Experten für langlebige Produkte entwickelt und kann geplante Obsoleszenz nachweisen. Aus meiner Erfahrung habe ich schon bald erkannt, dass die Kreislaufwirtschaft die naheliegendste Lösung ist, um den Teufelskreis unserer linearen Take-Make-Dispose Economy zu durchbrechen. Heute habe ich auf Basis unserer weltweit einzigartigen, österreichischen Norm „Gütezeichen für langlebige, reparaturfreundlich konstruierte E-Geräte“ eine leitende Funktion im, von der Kommission beauftragten, EU-Normungsausschuss „Energy Related Products – Material Efficiency Aspects for Ecodesign“.

 

Wandel hin zu einer Kreislaufwirtschaft

Nachdem nach vielen Jahrzehnten des Lobbyings für Ressourcenschonung jetzt mit dem Circular Economy Action Plan endlich ernstzunehmende, ordnungspolitische Maßnahmen gesetzt wurden, muss für einen Bewusstseinswandel bei den KonsumentInnen gesorgt werden. Ein Tipp ist „Nutzen statt besitzen“. Wir nehmen immer alles in Besitz, zum Beispiel eine Waschmaschine, obwohl wir eigentlich nur saubere Wäsche wollen. Sobald das Gerät kaputt ist, kaufen wir dann aus demselben Impuls heraus gleich ein neues. Darauf verlassen sich die Hersteller und bauen sie zuverlässig so, dass sie nach einer gewissen Zeit kaputt werden und nicht mehr wirtschaftlich zu reparieren sind. Wenn wir stattdessen die Waschmaschine vom Hersteller mieten würden, hätte der einen Anreiz, sie von Anfang an so zu bauen, dass sie wie früher 50 Jahre läuft, leicht und günstig zu reparieren ist und damit der Materialverbrauch pro Nutzungseinheit maßgeblich gesenkt wird. Wir probieren das derzeit mit der Produktdienstleistung „Saubere Wäsche“ aus, müssen allerdings feststellen, dass die Mehrzahl der KonsumentInnen aufgrund der rund 5.000 empfangenen, subtilen Werbebotschaften pro Tag nicht wie der sogenannte homo oeconomicus agiert, sondern sich zum KONSUMTROTTEL (ISBN 978-3-99001-183-6) degradieren lässt.

Dabei wäre es wesentlich billiger, einfacher und bequemer ein derartiges Sorglos-Nutzungspaket, das auch auf individuelle Bedürfnisse abgestimmt wird, anzuwenden: Durch Abschluss eines Service-Vertrages erhält man die Nutzungsrechte an der durch das R.U.S.Z zur Verfügung gestellten Waschmaschine. Gegen eine Kaution und eine anfängliche Monatsmiete von € 18,- „erkauft“ man sich eine „ewig funktionierende“ Waschmaschine. Auf Wunsch lebenslänglich oder auch generationenübergreifend. Dieses Angebot ist nichts für KonsumentInnen, die zu Statussymbolen neigen, aber ideal für jene, die nicht alles in Besitz nehmen müssen und Convenience zu beeinflussbaren Kosten schätzen. Im Gegenzug ist das R.U.S.Z verpflichtet eine jährliche Überprüfung durchzuführen (wie das „Pickerl“ beim Auto), den Mietpreis an die Anzahl der Waschgänge anzupassen (€ 18,- gelten für 4 Waschzyklen pro Woche) und im Falle einer Störung das Problem innerhalb von drei Werktagen behoben zu haben.

 

 

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