11. April 2016, 06.06

Unverschwendet - die kulinarische Lösung

  • Bild - Unverschwendet
    (c) Unverschwendet

Als Köchin in der Gastronomie hat es mich schon immer irrsinnig geärgert, wie viele Lebensmittel ich wegwerfen musste. Im Rahmen meiner Studien im Bereich Nachhaltiges Produktdesign in England durfte ich an einer Restmüllanalyse teilnehmen, bei der ich Müll in Kategorien sortierte. Ich war schockiert, als sich herausstellte, dass von 1,5 Tonnen Restmüll über 400kg Lebensmittelabfälle waren. Das war der Punkt an dem ich wusste, dass ich etwas tun muss und so entstand Unverschwendet.

Unverschwendet steht für kulinarischen Genuss als Lösungsansatz, um unnötige Lebensmittelverschwendung zu verhindern. Durch traditionelle Verfahren wie Einkochen und Einlegen werden aus überschüssigen, jedoch stets qualitativ hochwertigen und frischen Früchten, Gemüse und Kräutern, in liebevoller Handarbeit Produkte wie Fruchtaufstriche, Gelees, Sirupe und Chutneys hergestellt. Im Jahr 2015 konnte ich bereits 600 kg Obst und Gemüse vor dem Verderben bewahren und 2016 sollen es mindestens 5 Tonnen werden.

 

Wie funktioniert Unverschwendet?

Überschüssig bedeutet im Fall von Unverschwendet, dass Bauern und Bäuerinnen, sowie Privatpersonen mehr Früchte oder Gemüse haben, als sie selbst verarbeiten oder verkaufen können. Ich beziehe dafür im Großraum Wien Früchte, Gemüse und Kräuter von Bauern und Bäuerinnen, oder von Menschen, die ihre Gärten für mich öffnen. Dafür hole ich die Früchte und das Gemüse direkt ab Hof, oder ernte es auch teilweise selbst.

Eine der schönsten Erlebnisse letzten Sommer waren die Mini-Wassermelonen aus dem Burgenland vom Hof von Frau S. Obwohl es Mitte September nochmals über 30° hatte, standen bereits die ersten Lebkuchen im Regal der Supermärkte und kaum jemand kaufte noch Wassermelonen. Dabei wären die von der Sonne geküssten Mini-Wassermelonen ganz besonders süß gewesen, aber sie wurden von den Supermärkten leider kaum noch übernommen. Ich habe die Wassermelonen zu köstlichen Gelees und Sirupen verarbeitet. Frau S. sagte dazu: „Es ist einfach ein gutes Gefühl, wenn diese unverdorbenen Lebensmittel noch eine Verwendung finden, das ‚Wegwerfthema‘ liegt mir schon seit jeher in der Magengrube und es ist schön zu wissen, dass ein neuer Weg eingeschlagen wird.“


Warum Unverschwendet?

Viele kennen das bedrückende Gefühl, wenn man gute Lebensmittel wegwerfen muss. Aktuelle Studien der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zeigen, dass jährlich rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel entlang der Wertschöpfungskette verloren gehen. Allein in Österreich entstehen jedes Jahr 760.000 Tonnen Lebensmittelabfälle. Dabei sind die Hunderten Tonnen, die direkt bei den Bauern und Bäuerinnen auf Grund von saisonalen Überschüssen und überzogenen Schönheitsstandards des Marktes anfallen noch nicht einmal einberechnet.

Unverschwendet ist für alle, die auch daran glauben, dass man mit einem Gläschen Unverschwendet die Welt ein kleines Stück besser machen kann. Es ist für alle die wissen, dass Nachhaltigkeit nicht Verzicht bedeutet. Unverschwendet ist für alle, die mit mir gemeinsam unnötige Lebensmittelverschwendung verhindern wollen. Kurz, es ist für alle UnverschwenderInnen.

 

Die Mission von Unverschwendet ist es, einen Beitrag zu einer ‚Zero Waste‘ Gesellschaft zu leisten, in der auf unsere materiellen Ressourcen genauso geachtet wird, wie auf Menschen und ihre Talente. Seit Dezember 2015 arbeite ich gemeinsam mit der Wiener Tafel an dem Herzensprojet ‘Marmelade mit Sinn’. Durch die Leitung unserer gemeinsamen Einkochworkshops '…mit Sinn' für Flüchtlinge und Armutsbetroffene, wird die Küche zum Ort des gegenseitigen Kennenlernens, Inklusion und sinnvoller Freizeitgestaltung

 

Wie kann man Unverschwendet unterstützen?

Im Jahr 2015 konnte ich bereits 600 kg Obst und Gemüse vor dem Verderben bewahren, doch mein kleines Auto und ich sind leider schnell an unsere Grenzen gestoßen. Damit ich 2016 mindestens 5 Tonnen Obst & Gemüse verarbeiten kann, brauche ich Unterstützung.

Ab 7. April 2016 kann man im Rahmen einer Crowdfunding Kampagne auf Startnext das Projekt unterstützen (www.startnext.com/unverschwendet)  und erste Köstlichkeiten vorbestellen. 2 € = 1 kg Unverschwendetes Obst & Gemüse.

Und wenn jemand mehr Obst, Gemüse oder Kräuter hat, als er oder sie selbst ernten, essen, einkochen oder verkaufen kannst, dann kann man sich sehr gerne bei uns melden. Wir suchen im Großraum Wien Menschen, die ihre Gärten für uns öffnen, sowie landwirtschaftliche Betriebe, die uns ihre überschüssigen Feldfrüchte überlassen möchten. Gerne übernehmen wir auch die Ernte.

 

Wer ist Unverschwendet?

Mein Name ist Cornelia Diesenreiter und wenn man sich meinen Lebenslauf ansieht, so könnte man meinen, dass ich schon mit 18 wusste, dass ich Unverschwendet gründen werde. Als gelernte Köchin studierte ich zuerst ‚Recht und Wirtschaft’ in Salzburg. Auf Grund meiner persönlichen Werte von Verantwortung und Nachhaltigkeit und meiner Liebe zur Natur, habe ich dann ‚Umwelt- und Bioressourcenmanagement‘ an der BOKU in Wien, sowie ‚Design und Innovation for Sustainability‘ in England studiert. Während meiner Studien habe ich ehrenamtlich bei vielen Zero Waste Projekten mitgearbeitet und dann im März 2016 Unverschwendet gegründet. Unterstützt wird Unverschwendet von Andreas Diesenreiter und Anna Bozecski, sowie von einem großen Netzwerk an Freiwilligen, MentorInnen und KooperationspartnerInnen.

 

Kommentare

Was meinen Sie?

Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe Spielregeln), zu entfernen.