12. July 2016, 08.08

Urban Heat Islands

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    Manfred Pendl

Haben Sie auch das Gefühl, dass es in den letzten Sommern besonders heiß war? Es kommt uns nicht nur so vor, dass die Sommer früher irgendwie anders waren - es ist sogar erwiesen. Gab es zwischen 1961 und 1990 noch im Durchschnitt 9,6 Hitzetage (Tage über 30°C) pro Jahr, so stieg dieser Wert bereits auf durchschnittlich 15,2 Hitzetage.

Im Alpenraum stieg innerhalb der letzten 150 Jahre die durchschnittliche Jahrestemperatur um rund 2 °C an (ZAMG). Eine Erhöhung, die beachtlich über dem weltweit verzeichneten Temperaturanstieg von 0,85 °C liegt (IPCC 2013).

Leidgeprüft sind jene, die in großen Städten wohnen. Denn gerade in den Städten wird es immer heißer. Verglichen mit dem Umland gibt es Temperaturdifferenzen bis zu 12°C. Im dichtverbauten Gebiet steigen die Temperaturen stetig an und die Anzahl der Hitzetage nimmt weiter zu.

Urban Heat Islands, also urbane Hitzeinseln ist die Bezeichnung für die Temperaturerhöhung in den Städten. Im dichtverbauten Gebiet ist der Temperaturanstieg deutlich höher als in ruralen Gegenden. Auch innerhalb einer Stadt sieht man deutliche Unterschiede. Verantwortlich dafür sind Flächenversiegelung und Verbauung, dazu kommen anthropogen verursachte Wärmequellen wie Autos, Industrie oder Klimaanlagen und Luftschadstoffe. Auch die stark erhöhte Oberfläche durch die Gebäude, der zusätzliche Wärmespeicher, das Vermindern der Luftzirkulation tragen dazu bei. Diese Temperaturerhöhung wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter zunehmen, bedingt durch den Klimawandel.


Handeln – jetzt!

Gegen den Klimawandel kann jede/r Einzelne etwas tun! Bio, regional und saisonal einkaufen, das Auto stehen lassen und das Motto „Weniger ist Mehr“ im Hinblick auf Konsum im Allgemeinen gehören dazu!

Gegen die Hitze in der Stadt sind Maßnahmen notwendig. Denn immer mehr Menschen wohnen in Städten! Waren es in den 1950 erst 30% der Weltbevölkerung, sind es jetzt schon mehr als 50%. 2050 sollen mehr als 70% der Menschen in Städten wohnen, vor allem in sogenannten Megacities mit mehr als 10 Mio. EinwohnerInnen. 

Einige große Städte in Europa haben sich auch dazu entschlossen, Strategien gegen die urbane Überhitzung zu entwickeln. Gemeinsam mit Bologna, Stuttgart, Venedig und weiteren Städten hat Wien im „Central Europe“ Projekt „Urban Heat Islands“ Strategien entwickelt, um der Hitze im urbanen Raum entgegen zu wirken. Mehr Informationen dazu gibt es hier: http://eu-uhi.eu/de/


Der Wiener Strategieplan

In Wien gibt es seit heuer den „Urban Heat Islands Strategieplan Wien“ (UHI-STRAT Wien) und es werden schon viele Maßnahmen umgesetzt. Dazu gehören zum Beispiel das Anpflanzen von Straßenbegleitgrün, Bäumen, Grünstreifen und Grünflächen und das Anlegen neuer Parks. Auch die Förderung von Fassaden-, Innenhof- und Dachbegrünungen und das Bereitstellen von öffentlichen Trinkwasserbrunnen sowie Entsiegelung von Flächen und Regenwassermanagement sind wichtige Maßnahmen.

Ein großer Teil der Hitze in Gebäuden entsteht durch schlecht isolierte Dächer. Dachbegrünung kann diese Überhitzung eindämmen. In Europa noch weniger bekannt, gibt es beispielsweise in den USA sogenannte „Blue Roofs“. Das sind Dächer, die Wasser rückhalten können, was einerseits bei Starkregen positiv ist und andererseits auch über die Verdunstung an heißen, trockenen Tagen zur Kühlung beiträgt. Entweder durch ausgeklügelte technische Systeme oder auch in Kombination mit Dachbegrünungen als offene Wasserfläche ist am Dach vieles möglich.


Wen trifft es?

Die starke Hitze ist für alle anstrengend! Hohe Temperaturen schlagen sich nicht nur auf den menschlichen (und tierischen) Kreislauf nieder: Googelt man nach Auswirkungen der hohen Temperaturen liest man über gecrashte Festplatten, wenn Laptops oder Tablets im Auto oder direkt in der Sonne liegen gelassen werden. Auch über streikende Autos und Maßnahmen gegen Verformung der Bahngleise wird berichtet.

Vor allem ältere Personen, chronisch Kranke und sozial benachteiligte Gruppen sind stärker von der Hitze betroffen als junge, agile Menschen. Betroffen sind auch insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund. ExpertInnen der Boku und SoziologInnen an der Uni Wien erforschen gerade gemeinsam mit der Med Uni Wien im Projekt„EthniCityHeat“, wie sich die Hitze auf MigrantInnen auswirkt.


Das hilft

Viel trinken, bei großer Hitze körperliche Anstrengung vermeiden und leichtes Essen entlastet unseren Kreislauf. Die Hitze draußen halten Jalousien, die ganztags unten bleiben. Lüften in der Nacht und/ oder in den frühen Morgenstunden bringt etwas kühlere Luft in die Wohnung.

Jede Pflanze hilft mit, die Überhitzung zu reduzieren. Grüne Dächer und Fassaden kühlen und beschatten Oberflächen, Baumkronen geben angenehmen Schatten, unversiegelte Flächen erhitzen sich weniger stark als Asphalt und Beton. Der Rückhalt des Regenwassers im Boden und die anschließende Verdunstung kühlen ebenfalls die Umgebung. Weiße Hauswände speichern weniger Wärme als dunkle Oberflächen, diese wird in der Nacht abgegeben und erhöht die Umgebungstemperatur zusätzlich. Da braucht man nur an den Süden denken, die machen das schon länger so!


Grün statt Grau

Gerade in dichtverbauten Gebieten, wo wenig Platz für Straßenbäume und Grünflächen ist, kann vertikale Begrünung gegen Überhitzung wirken. Begrünte Wände sind schön anzusehen und verbessern das Mikroklima. Laut Verband für Bauwerksbegrünung erbringt eine Grünfassade in Wien mit rund 850 m2 Fläche an einem heißen Sommertag in etwa die Kühlleistung von 75 Klimageräten mit 3000 W Leistung und 8 h Betriebsdauer. Die Stadt Wien fördert Fassaden-, Innenhof- und Dachbegrünungen mit bis zu 2.200 Euro, die Stadt Linz mit bis zu 7.500 Euro. In Niederösterreich ist eine Förderung im Rahmen der „Wohnbauförderung Eigenheim“ möglich.

Allgemeine Informationen zur Fassadenbegrünung und zur Förderung in Wien erhalten Sie hier: http://www.umweltberatung.at/themen-garten-fassadenbegruenung/beratung-fassadenbegruenung-in-wien

Öffnen wir unsere betonierten und asphaltierten Innenhöfe und begrünen sie so viel wie möglich. Begrünen wir unsere Hauswände und hängen Balkonkistchen an unsere Fenster. Schaffen wir Grünbrücken in den Städten. Am besten auch mit Pflanzen, deren Früchte man essen kann. Helfen wir zusätzlich den Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten durch Bepflanzungen. 


Altbaumbestand

Wer schon einmal an einem erbarmungslos heißen Tag im Schatten eines Sonnenschirmes gesessen ist, weiß, dass das mit dem Schatten eines alten Baumes nicht vergleichbar ist! Die kühlere Luft, das Rascheln der Blätter und das grüne Blätterdach empfinden wir als viel angenehmer. Also lassen wir große Bäume stehen und genießen ihre Kraft und ihren Schatten!

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