09. August 2013, 13.01

Brottagebücher

  • Bild - Brottagebücher - Brot

Wie im ersten Blogbeitrag beschrieben, beschäftigt sich I Love Brot mit der Reduktion von Gebäckabfall bei der Bäckerei Felzl. Ein multi-disziplinäres Team setzt Methoden aus Umweltbewertung und Design ein, um durch neue Services weniger Überschuss zu erreichen und neue Produkte aus Retouren zu entwickeln. Die Sensibilisierung von MitarbeiterInnen für diese Nachhaltigkeitsinitiative ist ebenfalls ein wichtiger Teil des Projekts.

Zum ersten Artikel von Katrina Dankl: Zukunftsfähges Design

Auch die KundInnen des Unternehmens spielen dabei eine zentrale Rolle. Brottagebücher waren ein erstes Werkzeug, um Wissen darüber zu generieren wie KundInnen ihren Broteinkauf planen, wie sie Backwaren lagern und wie viel Brot entsorgt wird. 250 Felzl KundInnen wurden gebeten, sieben Tage lang Brottagebuch zu führen und ihre Einkaufs-, Verzehrs- und Abfallmengen an Brot und Gebäck zu dokumentieren. 50 Felzl-KundInnen haben keine Mühen gescheut und das Brottagebuch vollständig ausgefüllt retourniert. Im folgenden Beitrag nehme ich vier zentrale Ergebnisse heraus und ergänze sie um bestehende quantitative Ergebnisse sowie qualitativen Aussagen der TeilnehmerInnen.

 Alter der TeilnehmerInnen

Zur Statistik: Die Mehrzahl der TeilnehmerInnen ist zwischen 21 und 30 Jahre alt sowie zwischen 41 und 50, der Großteil weiblich. 36% wohnen in Zwei-Personenhaushalten, 20% in Ein-Personenhaushalten. Die Hälfte aller Befragten wohnt im 7. Wiener Gemeindebezirk.

 Grund für das Wegwerfen

 

Die zwei Hauptgründe warum Backwaren im Abfall landen sind hartes Brot und die Tatsache, dass bereits neues vorhanden ist. Bei hartem Brot sind Aufklärung über bessere Lagerung möglich, bei ‚Neues da‘ Tipps zur Verwertungsmöglichkeit von Altbrot, sowie bessere Einkaufsplanung. Wie und in welcher Form die Informationsweitergabe erfolgt wird von den TeilnehmerInnen durchaus kritisch gesehen, siehe Punkt ‚Aufklärung‘.

 Aufklärung

61% der TeilnehmerInnen wünschen sich Aufklärung über die Aufbewahrung von Brot&Gebäck. „Information als Rat gern, aufgeklärt bin ich schon“, (Organisationsberaterin, 52). Sie  scheint den Zugang vieler KundInnen auf den Punkt zu bringen. Eine moralisierende Aufbereitung des Themas Lebensmittelabfall wird nicht gewünscht, der tatsächliche Informationsgehalt, sowie die Umsetzbarkeit der Tipps dürften eine zentrale Rolle spielen und sind Teil der Designaufgabe.

 Abfallmenge

25% des eingekauften Brotes wird weggeworfen, das gaben die TeilnehmerInnen in den Brottagebüchern an. Direkt vergleichbare Zahlen zu nennen ist schwierig, ich möchte die Zahl trotzdem mit zwei aktuellen Studien ergänzen, die ebenfalls die privaten Haushalte im Fokus hatten. Generell sind Backwaren das dritthäufigste Lebensmittel, das im Müll landet, so die Studie des Instituts für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft , Ermittlung der weggeworfenen Lebensmittelmengen und Vorschläge zur Verminderung der Wegwerfrate bei Lebensmitteln in Deutschland.  Den Hauptanteil der vermeidbaren und teilweise vermeidbaren Lebensmittelabfälle würden Obst, Gemüse und Backwaren mit 15% ausmachen (siehe M. Kranert, G. Hafner, J. Barabosz, F. Schneider, Dr. S. Lebersorger, S. Scherhaufer, H. Schuller, D. Leveren, 2012:18). Bezüglich der Gründe stellt Selzer (2010) in Die Entsorgung von Lebensmitteln in Haushalten: Ursachen – Flüsse – Zusammenhänge fest „36 % der Backwaren werden aufgrund von Frische bzw. Geschmack entsorgt. Davon betroffen ist vor allem älteres Brot bzw. Gebäck, das durch ein frisch gekauftes ersetzt wird. (…) Mangelnde Übersicht über den Vorrat zuhause ist mit 26 % der zweithäufigste genannte Grund für die Entsorgung von Backwaren (Selzer, 2010:62).

 Informationskanäle

Die KundInnen von Felzl informieren sich gern persönlich über Produkte und Neuigkeiten: 80% tun das via Gesprächen mit den MitarbeiterInnen, Website und Facebook spielen für die TeilnehmerInnen am Brottagebuch eine untergeordnete Rolle. Die Verantwortung der Felzl-MitarbeiterInnen als Botschafter für I Love Brot und Ansprechpartner bei KundInnenanfragen sind also zentral und werden bei der Entwicklung von Designkonzepten eine tragende Rolle spielen.

Aufbauend auf die Daten von Umweltbewertung, MitarbeiterInnenbefragung, Brottagebücher und Aktionstag am 7.8.2013 (mehr dazu im nächsten Blogbeitrag) entwickelt das I Love Brot Team derzeit Konzepte, die weniger Abfall via Design ermöglichen. 


Das Projekt I Love Brot ist die erste Case Study von Less! Zukunftsfähiges Design. Initiiert und geleitet wird das Projekt von Kathrina Dankl, Projektparter sind Horst Felzl, Thomas Hruschka und Wolfgang Wimmer.
Projektmitarbeiterinnen: Andrea Lunzer und Angie Rattay. Das Projekt Less! wird mit Unterstützung von departure und Wirtschaftsagentur Wien realisiert.


Referenzen:

Kranert, M.; Hafner, G.; Barabosz, J., Schneider, F.; Lebersorger, S.; Scherhaufer, S.; Schuller, H.; Leveren, D.  (2012) Ermittlung der weggeworfenen Lebensmittelmengen und Vorschläge zur Verminderung der Wegwerfrate bei Lebensmitteln in Deutschland.

 

Selzer, M. (2010) Die Entsorgung von Lebensmitteln in Haushalten: Ursachen – Flüsse – Zusammenhänge. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität für Bodenkultur Department für Wasser, Atmosphäre und Umwelt Institut für Abfallwirtschaft

 

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