17. December 2013, 13.01

Ethik in der Mode

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Faire Modemarken erobern mehr und mehr Marktanteile, auch wenn sie noch lange nicht mithalten können mit der „Masse“. Gelobt wird zumeist Innovation und Design, vorbei sind die Zeiten des Erdapfelsacks und der Strickpullis. Spannende Schnitte, neue Materialien und aufgepeppte Second-Hand-Kleidung halten Einzug in die Modewelt.

Jetzt sind wir wieder mitten drin in der Weihnachtszeit – Vorboten dafür sind wie immer gegeben: Spendenbriefe und große traurige Kinderaugen, die schwer auf Gewissen und Geldbörsen drücken. Die langen Abende lassen uns schneller nach Hause eilen, in Wärme und Licht, um einen Kokon weihnachtlicher Vorfreude ums uns spinnen. Aber je näher die Festtage rücken, umso mehr steigt zumeist auch der Stresspegel, einerseits um alles perfekt und festlich zu gestalten, die letzten Geschenke zu ergattern oder schlicht, weil rund um Weihnachten seelische Wunden, Einsamkeit und Probleme offener zutage treten als sonst.


Wunde Punkte der Wertschöpfungskette

 

Wer hat in der Vorweihnachtszeit dann noch Zeit oder Nerven sich mit menschlichen Dramen auseinanderzusetzen, die sich anderswo, in den „Ländern des Südens“ abspielen? Wer die Geduld, die Herkunft der gekauften Geschenke zu hinterfragen oder überhaupt jene wunden Punkte in der Wertschöpfungskette einer gekauften Ware zu finden, auf die man den Finger dann legen könnte? Regionalität – das Stichwort unserer Zeit, das bei Lebensmitteln Sicherheit vermittelt – ist, wenn es um Kleidung und Mode geht, nur bedingt umsetzbar. Vermehrt setzen zwar kleinere Labels auf eine Produktion in Europa, bei der dann hier gefärbt und genäht wird, aber die dafür verwendete Baumwolle kommt dennoch zu 75% aus Ländern des globalen Südens. Der Anbau der Faser beansprucht zwar nur 2,5% der globalen agrarischen Flächen, verbraucht aber 25% aller Pestizide und Insektizide und 8-10% der chemischen Dünger, die weltweit eingesetzt werden.


„Leute machen Kleider“

 

Kleidung und Mode betrifft uns alle, „Kleider machen schließlich Leute“. Ca. 30 Millionen Beschäftigte in der Textilindustrie stellen bis zu 18 (!) Kollektionen pro Jahr her, zwischen 80 und 90 Prozent davon sind Frauen. Die Schnelllebigkeit unserer Konsumgesellschaft lässt leider vergessen, dass auch „Leute Kleider machen“, unter Großteils menschenunwürdigen Bedingungen. Dieses Jahr haben nicht nur Fabriksbrände in Bangladesh weltweit aufhorchen lassen -  Rückenwind für jene, die für gerechte Arbeitsbedingungen eintreten, für eine ethische Mode kämpfen und die Behörden stärker in die Pflicht nehmen wollen. Anfang Dezember starben bei einem Brand in einer Textilfabrik in Prato bei Florenz sieben chinesische Arbeiter, die in ihrem Schlafraum in der Fabrik vom Feuer überrascht wurden. Ca. 45.000 sind es, schätzt man, allein in Italien, die illegal und wehrlos  - auf europäischem Boden! - ihre Arbeit unter katastrophalen Bedingungen verrichten.


Ethik in der Mode


Was macht nun ethische Mode aus? Dass soziale Mindeststandards eingehalten werden und Gewerkschaften in den Betrieben zugelassen sind. Dass die Produktion entlang der gesamten Wertschöpfungskette fair bleibt und Existenzlöhne bezahlt werden. Denn bis ein fertiges Kleidungsstück an der Stange hängt, ist eine Vielzahl an Arbeitsschritten notwendig: und die Produktionskosten machen bei einem „herkömmlichen“ Kleidungsstück nur einen Bruchteil des Verkaufspreises aus. Hier sind die ProduzentInnen und Modeketten gefragt, die Situation der TextilarbeiterInnen zu verbessern. Auch ein ressourcenschonender Umgang sollte Bestandteil einer ethischen Textilproduktion sein, mit Fokus auf Second Hand, auf Recycling und Upcycling und auf die Verwendung von alternativen Materialien. Es liegt bei den KonsumentInnen sich auf all das Neue einzulassen - und einen fairen Preis dafür zu bezahlen.

Zur Autorin Sabina Prudic-Hartl

  

Bezugsquellen und Informationen:

www.wearfair.at – Die WearFair in Linz ist Österreichs Messe für ökologische und faire Mode. Auf der Website gibt es einen Shopping-Guide und INformationen

www.fairfair.at – Nachhaltige Produkte auf der Messe der Zeitschrift Biorama in Wien.

www.umweltberatung.at – Etwas versteckt auf der Seite (>KonsumentInnen >Abfall und Konsum >Nachhaltiger Konsum >Ökotextilien) gibt es eine Liste über Einkaufsquellen für Ökotextilien.

www.fairwear.org – Die FWF – Fair Wear Foundation ist eine NPO, die mit Unternehmen und Produktionsstätten zusammenarbeitet, um die Arbeitsbedingungen für TextilarbeiterInnen zu verbessern. Shopping-Liste der FWF-Mitglieder.

www.cleanclothes.at – Die Clean Clothes Kampagne zeigt Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen in Fabriken der Bekleidunsgindustrie auf und mobilisiert KonsumentInnen.

www.die-sicherheitsnadel.at – Shopping-Guide für nachhaltige Mode in Wien.

korrekte-klamotten.de – Netzwerk der ökofairen Modeszene, Blog, viele Infos

 

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Kategorie: Ethik, Mode

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