03. April 2012, 09.09

Urban Gardening – wenn das Grüne in der Stadt wächst

  • Bild - Gärten in der Stadt
    Amsterdam - unter dem Pflaster liegt das Gartenland
  • Bild - City-Farm in Amsterdam
    Für den Anbau von Gemüse fehlen dann nur Kompost und Wasser
  • Bild - Puffbohnen
    Auf kleinen Flächen großer Ertrag - Puffbohnen

Seit kurzem wohnen auf unserem Globus mehr Menschen in Städten als am Land. Und: Städte wachsen in ihr Umland. Oft wird gerade das fruchtbarste Land – das zur Nahversorgung der Städte diente – versiegelt und verbaut. Seit einigen Jahren wächst in den Städten selbst wieder vermehrt Essbares: Immer mehr Städterinnen und Städter bauen Gemüse und Kräuter an – in Gemeinschaftsgärten, auf angeeigneten öffentlichen Flächen oder auf dem eigenen Balkon.

Dabei geht es selten „nur“ um den grünen Ertrag, sondern auch um das Aneignen von ungenutzten Flächen, um das Erleben, wie Früchte reifen, um das gemeinsam in der Erde buddeln, um die wohltuende und heilende Wirkung des Gärtnerns oder wie es die Soziologin Elisabeth Meyer-Renschhausen zusammenfasst: „Das Interesse am Gärtnern ist ungeheuer groß, sei es, weil die Menschen den ganzen Tag hinterm Computer sitzen, oder weil sie arbeitslos sind.“ In Deutschland begann das neue urbane Gärtnern ab der Mitte der 1990er Jahre. Migrantinnen und Migranten waren die ersten städtischen Selbstversorger-GärtnerInnen. Der erste interkulturelle Garten entstand in Göttingen. Mittlerweile gibt es in Deutschland beinahe 130 interkulturelle Gärten, die von der Stiftung Interkultur vernetzt und beraten werden. In Österreich bietet der Verein Gartenpolylog eine Plattform für Gemeinschaftsgärten.

 

Welches Gemüse wächst wo?

In der Stadt sind die meisten Anbaumöglichkeiten Extremstandorte. Wenn sie sonnig sind, sind sie auch heiß. Für solche Standorte eignen sich die hitze- und sonnenliebenden Fruchtgemüse Tomate, Paprika, Chili und (in größeren Gefäßen Melonen). Die meisten Blattgemüse haben es hier ab dem Frühsommer schwer. Sie gehen gleich in Blüte, werden bitter oder zäh. Wer einen südexponierten Balkon hat, sei folgende Fruchtfolge empfohlen: Ende Februar bis Ende März: Aussaat von Puffbohnen oder Spinat. Anfang Mai: Pflanzen der Fruchtgemüse. Ende August: Kopfsalate, Radicchio, Rukola, Kresse oder Vogerlsalat. In die Töpfe zu den Tomaten kann Basilikum gepflanzt werden. Wer einen halbschattigen Balkon hat, kann das ganze Jahr hindurch verschiedene Blattgemüse – Ampfer, Asia-Salate, Puffbohnen- und Erbsensprossen, Neuseeländerspinat oder die Gartenmelde – anbauen und laufend beernten. Biologisches Saatgut kann man beim Verein Arche Noah oder bei der Firma Reinsaat bestellen.

 

Upcycling-Gefäße

Vieles, was in der Stadt als „Müll“ anfällt, lässt sich als Pflanzgefäß verwenden: Die Senfeimer vom Würstelstand, die ausgediente Badewanne (von der Größe ideal!), der Jute-Sack aus der Kaffee-Rösterei, der Reissack aus dem Asia-Laden. Für die Aussaat und Vorkultur ideal sind viele Verpackungsmaterialien von Gemüse. Sogar starke Kartonschachteln aus der Gemüseabteilung eines Supermarktes bewähren sich für die Aussaaten von Blattgemüse; vorausgesetzt, sie stehen nicht direkt am Boden, sondern auf Holzleisten, damit sie von unten auch wieder abtrocknen können. Besonders ergiebig sind Altwarentandler und Flohmärkte: Wo einst die Kohle aus dem Keller getragen wurde, wachsen dann Tomatenpflanzen, die emaillierten Waschschüsseln werden in ein Kräuterbeet umgewandelt. Selbst  ausrangierte Küchenkästen lassen sich – liegend – in Gemüsebeete verwandeln. Wem dies alles zu aufwändig ist, der pflanzt Tomate, Chili und Co gleich direkt in den Erdsack. Dazu diesen unten an einigen Stellen durchlöchern (für den Wasserabzug) und oben nur kleine Löcher für die Pflanzen einschneiden.

 

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Andrea Heistinger ist Autorin und schreibt über Gartenthemen aller Art. Ihr neues Buch "Handbuch Bio-Balkongarten" ist gerade im Löwenzahnverlag erschienen. Auf 304 Seiten beschreibt sie ausführlich, was Gemüse, Obst und Kräuter brauchen, damit sie in zunächst für sie unwirtlichen Bedingungen,  also ohne gewachsenes Erdreich unter den Füßen gedeihen können. Im Buch werden wichtige Fragen für Klein- und City-Gärtner beantwortet und Initiativen und ihre Gärten aus Amsterdam, London, Wien und Berlin vorgestellt.

 

GEWINNEN: Unter allen Facebook-Fans, Newsletter-AbonenntInnen und registrierten UserInnen von bewusstkaufen.at verlosen wir insgesamt 3 Exemplare von Andrea Heistingers neuem Buch "Handbuch Bio-Balkongarten". Teilnahmeschluss ist der 23.4.2012.

Kategorie: Lebensmittel, Bio, Garten

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