15. November 2013, 11.11

Vom Wissen und Können

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Eine Falle der Informationsgesellschaft mag darin liegen, dass gerade jene Phänomene, die zu Krisen führen, nicht wahrgenommen bzw. verdrängt werden. Krisen entstehen aus der sich vergrößernden Lücke zwischen Wirklichkeit und Wahrnehmung, so der Sozialwissenschaftler David Brocchi. Der Experte sieht vier Hürden für komplexe Wahrnehmung: Menschen können nicht die ganze Wirklichkeit wahrnehmen (Komplexitätsreduktion), sie wollen es nicht (z. B. Konformitätszwang), sie müssen es nicht (Arbeitsteilung, Macht) und viertens dürfen sie es nicht (Geheimhaltung wichtiger Dinge, Ablenkung durch Unterhaltung und „tittytainment).

 

Konfuzius als Lehrmeister der modernen Wissensgesellschaft

 

Aufgabe einer emanzipatorischen sowie reflexiven Wissensgesellschaft wäre es demnach, die Krisenwahrnehmung zu verbessern, die Reaktionspotenziale zu erhöhen sowie kollektive Lern- und Wandlungsprozesse anzustoßen. Ein entscheidender Schritt liegt dabei in der Befähigung zum Tun, was durch experimentierendes, alternatives, gemeinschaftliches Handeln entsteht. „Erkläre mir und ich vergesse. Zeige mir, und ich erinnere. Lass es mich tun und ich verstehe.“ Diese konfuzianische Maxime ist wohl gut anwendbar auf die moderne Wissensgesellschaft.

 

Qualität statt Quantität macht Wissenswohlstand aus

 

Die Philosophin Christine Ax schreibt in ihrem Buch „Die Könnensgesellschaft“: „Wirklich wichtiges Wissen, das für unser Handeln relevant ist, können wir nicht beliebig vermehren. Jeder rein mengenmäßige Zugang zu Wissen geht an der Sache vorbei und erzeugt eine dumme Hektik, einen gefährlichen Stress, der uns unfähig macht, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und die richtigen Entscheidungen zu treffen.“ Wissenswohlstand bedeutet demnach nicht, über möglichst viele Informationen zu verfügen, sondern über jene, die wir wirklich brauchen. Das Gebot der Beschränkung und bewussten Auswahl gilt für Information nicht weniger als für andere Güter. Neben dem demokratischen Zugang zu Wissen und Information kommt daher der Qualität der Informationen eine zentrale Bedeutung zu.

 

Alltagspraktische Erfahrungen

 

Die Frühkindpädagogin Donata Elschenbroich hat einen „Wissenskanon für Siebenjährige“ erstellt, der weit über Wissensbestände hinausweist, sondern vielmehr Fähigkeiten beschreibt, die im Handeln angeeignet werden. Neben alltagspraktischen Erfahrungen wie „auf einen Baum geklettert oder in einen Bach gefallen zu sein“, „etwas repariert zu haben“ oder der „Aneignung elementarer Kochkenntnisse“ finden sich in diesem „Kanon“ auch Dinge wie „die Erfahrung, dass ein eigener Verbesserungsvorschlag in die Tat umgesetzt wurde“, jene; „andere ausreden zu lassen“ oder jene, „ein Ziel vor Augen gehabt zu haben“. Es wäre lohnenswert, einmal einen solchen Wissenskanon für Erwachsene zu erstellen, der zukunftstauglich macht für das 21. Jahrhundert. 

Kategorie: Lebensmittel, Ressourcen

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