13. May 2013, 13.01

Zukunftsfähiges Design

  • Bild - I love Brot
    Bild: (c) Bäckerei Felzl

Wie kann sich Design bei sozialen und ökologischen Herausforderungen einbringen? Der folgende Beitrag argumentiert, dass KonsumentInnen bei diesen Projekten eine Schlüsselrolle als Co-DesignerInnen zukommt.

Wie sich Design mit dem Thema Zukunftsfähigkeit auseinandersetzen kann, wird anhand des konkreten Projekts I Love Brot und in einer Reihe von zukünftigen Blogbeiträgen diskutiert.

I Love Brot setzt sich zum Ziel Brotabfall mit Designstrategie zu reduzieren. Dafür kooperieren Experten aus den Bereichen Social Design, Nachhaltigkeitsberatung, Umweltbewertung und Marketing&Sales mit dem Wiener Bäckereibetrieb Felzl. Ziel ist eine Reduktion von Brotabfall bei einer gleichzeitigen Offenheit für verschiedene Lösungsansätze. Ob ein nachhaltiger Umgang mit Brot durch Bewusstseinsbildung, neue Bestellservices, innovative Vertriebswege oder neuen Produkten erreicht wird, bleibt zunächst offen. Ecodesign-Experten unterstützen den Designprozess  mit Umweltbewertung und Unternehmensberatung und bewerten Konzepte und Entwürfe in Hinblick auf den gesamten Produktlebenszyklus. Social Design Expertinnen erarbeiten mit KundInnen und MitarbeiterInnen Lösungsansätze. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Marketing und Sales mit dem Unternehmen, wird die wirtschaftliche Relevanz der Ideen bewertet. Das Projekt I Love Brot folgt also in seiner Ausrichtung der gängigen Definition von Nachhaltigkeit -  ökologisch, sozial und ökonomisch.


Erzähle ich vom Projekt I Love Brot stoße ich trotzdem oft  auf Unverständnis: Warum beschäftigt sich eine Designerin mit Brotabfall? Was kann Design hier beitragen? Ist das nicht Aufgabe von Umwelttechnikern oder anderen Disziplinen? DesignerInnen sind idealerweise ProblemlöserInnen und GestalterInnen in Personalunion. Die Fähigkeit verschiedene Perspektiven einzunehmen, ungewöhnliche Ansätze zu entwickeln und in ein Produkt zu übertragen lässt sich auch bei gesellschaftlich relevanten Fragestellungen anwenden. Bei I Love Brot steht die Reduktion von Lebensmittelabfall im Vordergrund, ein ähnlicher Prozess könnte auch für andere Herausforderungen, zum Beispiel im Gesundheitsbereich angewandt werden. Design bedeutet in diesem Fall neben ästhetisch-funktionaler Gestaltung eine inhaltliche Auseinandersetzung, die Produkte als eingebettet in Dienstleistungen und Systeme begreift. Um diesem Designbegriff gerecht zu werden, wandelt sich auch die Rolle des Designers vom alleinigen Autorendesigner hin zum Moderator, der Designprozesse öffnet und auf breiterer Basis in Co-Kreation leitet. Die Designerin ist zwar nach wie vor Expertin für den Weg von der Aufgabenstellung zur Produktlösung – aber unter Einbeziehung verschiedenster Sichtweisen – vor allem auch jener von Nichtdesignern. Jene Menschen, die tagtäglich Brot verkaufen oder essen, um bei I Love Brot zu bleiben sind genauso ExpertInnen, wie der Designer mit dem Wissen um erfolgreiche Produktgestaltung. Ihre Sichtweisen sind zentral, um Aufgabenstellungen zu konkretisieren und Produktlösungen so zu gestalten, dass sie später auch erfolgreich genutzt werden. Dafür kommen verschiedene Methoden zum Einsatz, bei I Love Brot wurden KundInnen u.a. eingeladen ihren Brotkonsum über den Zeitraum einer Woche zu dokumentieren und im sogenannten ‚Brottagebuch‘ fest zu halten. Derzeit wertet das I Love Brot-Team die Brottagebücher aus und konzipiert die nächsten Schritte des Co-Kreationsprozesses. Darüber demnächst mehr.


Das Konzept von nachhaltigem Design ist keinesfalls neu: der populäre Designer und Designkritiker Victor Papanek etwa beschäftigte sich bereits vor vierzig Jahren mit Konzepten, die heute als zeitgenössisch gelten: mit Design ‚im Dienste des Menschen‘, mit der Integration von Recherchemethoden aus den Sozialwissenschaften, mit einer Entmaterialisierung von Design hin zu Do-It-Yourself und Service Design, mit einer populären Kommunikation von Designthemen und ihrer Integration in pädagogischen Konzepten, sowie mit ökologisch verantwortungsbewusstem Design. Papanek nimmt vorweg, dass soziale und ökologische Aspekte im Design untrennbar miteinander verbunden sind und vielfach zu hinterfragen ist, ob ein neues Produkt überhaupt die Lösung des Problems ist. Wirklich zukunftsfähiges Design weise also eine Dreiteiligkeit auf und berücksichtige ökonomische, ökologische und soziale Aspekte gleichermaßen. Neu oder bemerkenswert ist lediglich das gesteigerte Interesse in der Designszene und darüber hinaus Papanek’s Thesen zu honorieren und für zeitgenössische Projekte zu adaptieren.


Das Projekt I Love Brot ist die erste Case Study von Less! Zukunftsfähiges Design. Initiiert und geleitet wird das Projekt von Kathrina Dankl, Projektparter sind Horst Felzl, Thomas Hruschka und Wolfgang Wimmer.
Projektmitarbeiterinnen: Andrea Lunzer und Angie Rattay. Das Projekt Less! wird mit Unterstützung von departure und Wirtschaftsagentur Wien realisiert.

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